Aug 012017
 

Atafee Bosch

Die Edelstahl-Frontplatte meiner MitbewohnerIn Atafee Bosch erstrahlt nicht in dem Glanz, in dem sie mir täglich aufs Neue mein mobiles Kücheninventar präsentiert. Mann sieht jeden Fingerabdruck auf der Oberfläche und im dunkeln kochen macht zwar Spaß, jedoch sieht der Boden nach wenigen Tagen aus, wie in einem Bochumer Hackerspace.
Polieren ist angesagt. Balistol mag ich nicht nehmen, es reicht mir, wenn mein Flur und mein Schlafzimmer nach Kathrin JägerIn riecht. Eine ehemalige Frauenbeauftragte gibt mir den Tip, es mit Babytüchern zu versuchen. Hmmmmm. Fett fällt auf Fett nicht auf und Fett zieht eh Fett an. Beide Thesen lassen sich täglich in der Warteschlange von McDoof oder dem Würgerking empirisch verifizieren – das könnte mit Öl durchaus funktionieren.
Obwohl, dank WLAN stelle ich gerade fest: Tücher mit Öl brauche ich nicht, mir reicht Öl.
Da hängt Zellstoff neben mir an der Wand, in Handbreite, auf ’ner Rolle.
Das kennt ihr. Hoffentlich.
Und wenn nicht, dann kenne ich Euch nicht.
Hoffe ich.

Mensch mit Menstruationshintergrund

Ab in die City auf die lokale Konsumrennstrecke. Mitten in der Fußgängerzone springt mir ein Mensch mit Menstruationshintergrund in den Weg, Typ Lehramtsstudentin (IQ: ca.95B) auf SoziIrgendwas und/oder Berufstochter in 08/15-H&M-Klamotten. Die mir zur Schau gestellte Benutzeroberfläche (Hb:6+, HSE?) fällt nicht sofort aus meinem Beuteraster, wenn sie noch besser aussehen würde, könnte sie meine Tochter sein. Sie brabbelt munter drauf los und meint, ich wäre als Model geeignet. Prima, ihre Sehschärfe und ihr Urteilsvermögen sind einwandfrei, mal sehen, wie es jetzt weiter geht. Du Stück.
Die Allerwerteste erzählt mir was von einer Frau Klum und einer seltsamen Model-Show im Abendprogramm der verstrahlten Bewegtbilder und ich höre gespannt den Märchen aus einer mir nicht bekannten Welt zu, weil: Fernsehen kenne ich seit Jahrzehnten nicht und die Trulla arbeitet offensichtlich für einen privat finanzierten Idiotensender.
Moment. Nun peile ich, was das Rotkäppchen dem Wolf erzählen will. Ich soll ins Prekariatsfernsehen? Ich soll mich bewerben und vor einem Millionenpublikum an minderbegabten TV-KonsumentInnen herumturnen, damit sich dieses ehemalige Model aus den Sechzigern an mir finanziell einen runter holt? Wie gestört ist das denn? Ich lache dem Funkenmariechen schallend ins Gesicht! „HEY, VERGISS ES! Wenn Deine Oma Heidi mich sehen will, dann setze ich ihr einen sechsstelligen Tagessatz in Rechnung!!1!11″…“Blablabla“…Diese SexistIN stellt sich taub…“…LaberRahBaber…“ Ich winke ihr zu, doch die blubbert stumpf weiter. „…BlaFaselBlubberSülz!“ Das Aufmerksamkeitsdefizit dieser SchwafelakrobatIn ist beachtlich. Es klatscht gleich. Aber keinen Beifall. Schluß jetzt. „Sachma, Frollein! Hast Du Deinen Beipackzettel nicht richtig gelesen? Zieh‘ Dir ’ne Nummer und stell‘ Dich hinten an!“ Und tschüss.
IsMirÜbel! Was. Für. Eine. Hartgeldnutte. Und so was läuft ungeknebelt und ohne Leine durch meine Stadt. Ich fasse es nicht. Diese verstrahlte SexistIN sollte sich einen Wohnwagen besorgen und zur Universität Essen wechseln. Dann verpasse ich diesem rabulistischem Erstsemester eine Einführungsveranstaltung und sie verdient auf den Straßen vonner Uni Essen Richtung Norden mehr, als hier in der Bochumer Fußgängerzone. Sehr viel mehr. Und dort muss sie nicht mal reden, wenn sie den Mund aufmacht.

Labyrinth

Weiter gehts zum lokalen Lackier- & Restaurationsfachbedarf, kurz: „DM“. Die haben den Laden umgebaut – in einen Irrgarten. BOHR, was ist das hell hier! Und alles so schön bunt! Bei den Lackstiften gibt eine Farbpalette, die unseren Herner Heimwerkertempel Hornbach blass aussehen lassen. Das Weibsvolk stellt Sachen mit sich an, dafür bekommt jeder Gebrauchtwagenhändler drei Jahre. Mindestens. Ohne Bewährung.
In meiner Tanke stehen die Zahnbürsten neben dem Kontaktsportbedarf, der erste Gang links vom Sekt, das kann ich mir merken. Hier im DM komme ich mir vor, wie in der Geisterbahn des Phantasialandes – hinter jedem Regal lauert eine neue Überraschung.
Das preiswerte Trockenfleisch sieht lecker aus, doch seltsamerweise verziert ein Hund die Verpackung. Ist das für den verzogenen Wadenbeisser von heute oder sind da etwa Teile von frisierten Pudeln drin? Bei letzterem würde ich es mir sicher zum Abendessen genehmigen.
Einen Gang weiter betatscht freilaufendes Stöckelwild den Bildschirm eines unschuldigen Photoautomaten und schiebt ihm einen dicken USB-Stick rein. *AUA!* Nun hat es das Hühnervolk übertrieben, das war eindeutig zu viel. Der Konsum-Roboter aus dem Hause Kodak schaltet binnen Millisekunden in den Notwehr-Modus. Er präsentiert den staunenden Frolleinwundern einen waschechten Windoze-Blue-Screen…..*KREISCH!*
*RUMMS!* Es wird dunkel. Mein Fluchtreflex (siehe ICD 10: Schwanzus Longus Linus Thorvaldus) setzt ein. Der Puls steigt innerhalb von 2,3 Millisekunden auf 220+, es riecht nach verbrannten Schuhsohlen, und Zehntelsekunden später finde ich mich am anderen Ende des Ladens wieder.
*RÄUSPER!* War was? Die sekundenlange Amnesie lässt nach, der Geruch von Chicks liegt in der Luft und auf dem Zettel in meiner Hand steht was von Öl….achja, ich wollt‘ einkaufen.
Überraschung! Zwischen den Mondfahrzeugen, die sich frau heute so als manuelles Fortbewegungsmittel für ihre Käwihns und Schandtals finanzieren lässt, sehe ich Pampers im Regal: Abteilung Kinderkacke! Ölquelle! Ich entdecke eine Flasche Babyöl. Bei den Inhaltsstoffen auf dem Etikett steht:

HELIanthus AnNuUS

Das klingt nach Hubschrauber und SieWissenSchon. Eine DrogeriefachverkäuferIn, falls hier überhaupt eine arbeitet, hat sicher kein großes Latinum im Lebenslauf stehen und ich lese weiter. Das Babyöl ist VEGAN. Na prima, jetzt bin ich beruhigt.
Es wäre auch schlimm, wenn das nicht so wäre. Was hätte denn tierisches Fett am Zwergenhinterteil zu suchen? Dann riecht das Kinderzimmer doch, als ob der Chefkoch auf dem Thron sitzt und dabei eine Currywurst Pommes Mayo verspeist.
Und wenn schon. Wer hat denn Angst vor nicht-veganen Babyöl? VeganerInnen. „VeganerIn“ kommt aus dem indianischen und heißt übersetzt: „Squaw, die zu dumm zum jagen ist“. Schlimmes Volk. Diese Bionadebiotop-BewohnerInnen essen auch kein Huhn, weil da Ei drin ist, und gackern den ganzen Tag, obwohl sie noch nie eins gelegt haben.
Das Öl ist von Hipp. Die Kaufentscheidung ist gefallen, weil Hipp ist mir sympathisch, die machen doch auch Nahrung, die mann sich nach einer intensiven Diskussion mit dem Herrn Jägermeister und Tante Absolut zum Frühstück geben kann. Und nun suche ich den Ausgang.

Deo Angela

DEO ANGELA
Nein! Es ist doch passiert: ich unterliege der konsumtechnischen Verführung und kaufe doch einen Artikel aus dem Hause Balistol. Dieses Deo ist seit Monaten ein Verkaufsschlager, es ist mittlerweile in jeder Damenhandtasche des Ruhrgebiets zu finden. Und ab sofort auch in der Hosentasche meiner Tante, die dank einer kulturbereichernden Begegnung mit lokalen Fachkräften für spontane Eigentumsübertragung die weniger stolze Besitzerin eines Behindertenausweises geworden ist.

Blue Screen of Death

BLUE SCREEN
Auf dem Weg nach draußen stehe ich vor einem bemitleidenswerten Bildschirm. Diese Geräte sind randalefest und idiotensicher gebaut. Doch hier scheinen feinmotorisch gestörte SchimpansINNEN Ihr Unwesen zu treiben.

Der Ausgang

*SCHRECK!* Bin ich hier in Köln? Was ist das denn? Ein homosexueller Clown?
Nein, es ist doch nur eine UV-verstrahlte Menopausen-Barbie, die ihren Augenarzt verklagen und ihre zahlreichen Therapeuten erschießen sollte. Dafür braucht sie Munition. Und Euros. Viele Euros. Ich überreiche ihr ein paar Münzen…..“Hammse eine Päydreck-Kartäh?“….“Nööö, einen Schulabschluß!“….und DU gehörst ins Phantasialand!
Wenigstens habe ich etwas gelernt. Ich weiß jetzt wo

Heidi K.

aus dem Prekariatsfernsehen die Spachtelmasse für ihre Benutzeroberfläche her bekommt. Das sollte frau auch wissen, denn so schlimm sieht die Klum doch gar nicht aus.
Für eine 85-jährige.

me.

P.S.:
Und wie nennt mann eigentlich ältere Damen, die blutjunge Dinger zum Geldverdienen auf die Straße schicken,
und sich hemmungslos daran bereichern?

Sep 172016
 

Fasanenbrause (Sanddornschnaps)
aus 100% natürlichen Säften, ca. 19% Vol. Ethanol

Zutaten:
500ml Sanddorn-Saft (Hippophae rhamnoides), pasteurisiert
500ml Absolut Vodka (suczka zapity)
100ml TrueFruits Smoothie Yellow
120g Kluntjes
20g Zucker
1,0g Ascorbinsäure (Vitamin C, E300)

Küchendienst:
Alle Zutaten exakt abwiegen, bzw. ausmessen. Die Kluntjes in Backpapier packen, mit einem Handtuch umwickeln und einem Hammer klein kloppen.
Den Vodka und die behämmerten Kluntjes in eine große Flasche kippen und solange schütteln und/oder warten, bis sich der Kluntjes komplett aufgelöst hat.
Nun die restlichen Zutaten rein, nochmal ordentlich schütteln, in Portionsflaschen abfüllen und ganz hinten im Eisfach verstecken.

Anwendung:
Aus dem Eisfach holen, kräftig schütteln, öffnen, den Verschluß auf den Boden legen und zertreten. Austrinken.

Nebenwirkungen:
Bei übermäßigen Verzehr machen sich Schwankungen in der Gravitation bemerkbar, gelegentlich erhöht Fasanenbrause die lokale Deflorationsquote.

bad company

Sep 122015
 

Neuland

schweer.biz.201508.neuland_dscn2575

Bender

schweer.biz.201508.bender_dscn2568

Vogelscheuche

schweer.biz.201508.vogelscheuche_dscn2591

Otto Walkes: „Mami! Mami! Was machen denn die beiden Hunde da?“
Mama Walkes: „Der eine ist blind und der andere schiebt ihn über die Straße!“
Nynmphotamin: „….und was machen die Häuser da?“

Häuserbau in Bochum

schweer.biz.201508.haueserpop_dscn2584

ArXXX-Kriecher-Traum

schweer.biz.201508.arschloch_xl_dscn2587

Smart vs. Hausfrauenpanzer

schweer.biz_201509_smart_hausfrauenpanzer-img_20150904_141306

Mai 052014
 

Snailmail Record 2014

Snailmail Record 2014

Dieser Umschlag wurde am 01.10.2013 als sog. „Warensendung“ abgeschickt und DHL hatte offensichtlich ein kleines Problemchen bei der Ausführung seiner Dienstleistung. Der Brief kam am 25.04.2014 -in einer Plastic-Hülle eingeschweisst – beim Empfänger an. Das gesamte Papier stinkt dermassen ekelhaft, es wurde sofort nach dem Scan entsorgt.

Der Absender wohnt 112 Autobahnkilometer entfernt, bei einer Lieferzeit von 207 Tagen (4.968 Stunden) bewegte sich die SchneckenPost folglich mit 0,022 Kilometern pro Stunde.
Oder 22,2 Meter pro Stunde. Oder 37cm pro Minute. Oder 6,1 Millimeter pro Sekunde.

Der gelieferten Speicherkarte hat dieser neue Geschwindigkeitsrekord nicht geschadet.
Sie funktioniert.

me.

Sep 252010
 

Samstag, 25.09.2010, 6 UhrNochwas MESZ

heise.de ist down:

*Staun!*
Selten sowas, richtig selten.

Ein Tab weiter, blog.fefe.de:

Erwischt.
Ich bin vor lachen gerade fast vom Thron gefallen.

Fefe wrote:
> Macht es wie ich, filed Bugs gegen KDE.

Jau, debuggen ist ’ne prima Idee, aber ersma poste ich jetzt sinnfreies Zeugs direkt aus der Sitzung.
🙂
me.

P.S., Surftip:
Don Alphonso @FAZ

Aug 182010
 
Lilly

...a women worth dying for.

Tja, da habe ich mich im örtlichen Lackier- und Restaurationsfachbedarf ablenken lassen. Dieses rothaarige Leckerchen musste unbedingt direkt vor mir ganz unten ins Regal greifen – mit durchgedrückten Kniegelenken. Meine blitzartige Blutverlagerung verursachte eine leichte Störung der Feinmotorik.
Folglich habe ich daneben gegriffen und die falsche Pulle Rasierwasser aus dem De-Em-Markt nach Hause getragen.

„Nivea Man Cool Fresh“ nennt sich das hellblaue Wässerchen. Frisch rasiert genehmige ich mir eine grosse Portion.
Es riecht wie ein Fishermans Friend mit Friesengeistfahne auf einem undichten Mentholtanker. Hammer.
So wirkt es auch.
„Cool Fresh“ ist so kalt, damit kann man Eier abschrecken!
Echt jetzt.
Der leiseste Luftzug lässt Eiszapfen wachsen und bei dem Geschrei wird sogar mein Nachbar wach.
Voll toll. Gute Arbeit, Firma Beiersdorf, ihr habt jetzt einen Kunden mehr.

Und nachher rasiere ich mir mein Gesicht.

me.

Nov 012009
 

Donnerstag 22.10.2009 20:41 MEWZ

Das Festnetz bimmelt.
Display: 0611-9996080

„Hallo?!“
Stille.
„Haaalllloooo!“
Frauenstimme: „Blablabla…GmbH und Co KG. Wir machen eine Umfrage zum Fernseh- und Radioprogrammm und…“
„STOP! Bitte rufen sie hier nie wieder an und streichen sie mich von Ihrer Liste. Danke.“
Click.

Bohr.
So nett und freundlich war ich lange nicht.
Die Trulla klang wie Gina Wild auf Ecstasy, das Gespräch wurde sicher nach Sekunden abgerechnet.

Die Nummer steht in keinem Telefonbuch/Verzeichnis, doch Datenschutz interessiert solche stalkenden Prostituierten offensichtlich nicht.

Freitag 30.10.2009 16:23 MEWZ

Ich komme aus der Dusche und steige in den Bademantel, da klingelt es an der Tür.
In freudiger Erwartung auf das Grinsen der blonden Granate vom Paketdienst GLS schlüpfe ich in standesgemässe Adiletten und mache mich klitschnass auf den Weg ins Erdgeschoss.
In ersten Stock begegnet mir ein grauhaariger Herr Anfang 50, Typ gescheiterter Berufsschulehrer oder obdachloser Weihnachtsmann.

„Herr X.?“
„Wer möchte das wissen?“
„Trocknen Sie sich ersma ab!“
„Nö.“
„Blablabla….Gebührenbeauftragter vom WDR…..sie sind nicht bei der GEZ gemeldet…..laberblafasel“
„Schade.“

Ich grinse ihm ins Gesicht, reibe mir mit dem Bademantel die Restfeuchtigkeit aus dem Schritt und gehe zurück in meine Wohnung.

Tür zu.
Gleich klopft es wie irre und das wilde Geschrei geht los, das übliche Programm halt.

Doch nichts passiert.
Gar nichts.
Überhaupt gar nichts.
Dieser Loser hat offensichtlich seine Eier zuhause vergessen.

Die nächsten Tage landen vermutlich wieder billigste Visitenkarten der Sorte „Wir reparieren Ihren Fernseher schnell und günstig!“ in unseren Briefkästen mit den „Keine Werbung!“-Aufklebern.
Und das wars dann.
Schade eigentlich.

Ich ziehe den Schlagring wieder ab und mich an.

Nein, ich habe noch nie GEZahlt.
Das werde ich in diesem Leben nicht, die entsprechenden audiovisuellen Volksempfänger kommen mir nicht ins Haus.

Mittlerweile wollen diese grenzdebilen Schmarotzer für die blosse Existenz meines Rechners Geld sehen.
Der _könnte_ was „empfangen“, falls ich ihm was kaufen, einbauen und installieren würde.

Könnte. Würde.
Nach der gleichen Logik des Konjunktivs könnte ich Kindergeld verlangen. Ich habe zwar keine, aber das Werkzeug dazu ist vorhanden.

Obwohl…..wann kommt endlich GLS?

Autor: ANONYM – Besten Dank für den Text :-)!

Jun 182007
 

15.06.2007
Flughafen Düsseldorf. Air Berlin Kundenschalter.
Bei Fluggesellschaften lohnt es sich, nicht nur zu huebschen Stewardessen nett zu sein. Es folgen die erten Worte des Kundenberaters im O-Ton:
„Sie sind freundlich. Wollnse n Fensterplatz?“
„Sehr sehr gerne, ich stehe voll aufs fliegen.“
„Dann kriegense jetzt einen.“
Auf der boardingcard steht, man soll doch bitte seinen Sprengstoff und sein radioactives Material nicht mit an Bord nehmen. Ein prima Verbot. Ausschliesslich in english und nicht auf deutsch. Ich bin beruhigt.

Check-In.
Vor mir die Sicherheitsschleuse mit den Roentgenautomaten und ein Rudel Koetter Security. Die Bande benimmt sich, als haette sie den Karneval vorverlegt. Oder heimlich in der Aservatenkammer genascht.
Ein Maedel in Uniform meint, ich soll mein Sakko ausziehen.
„Noch was?“
„Ja, den Guertel bitte!“
„Guertel auf und Hose runter“ meint der Kleiderschrank daneben.
„Suesser, Du zuerst!“
Isch habe ga kein Guertel und zauber‘ dem Maedel ein Laecheln ins Gesicht, indem ich kurz mein Sixpaeck praesentiere.
Beim Reisenden vor mir gibt es ein Problem. Zwei Mehlmuetzen kommen naeher. Hand an der Neunmillimeter. Ein Teststreifen wird ueber die Reisetasche gezogen. Es liegt Spannung in der Luft. Die steigern wir jetzt mal. Ich schiele auf den Bildschirm und beruhige ihn: „Ach komm, rege Dich nicht auf, so’n Kilo Koks kriegen die hier auch nicht jeden Tag zu sehen.“ – „Mach‘ keinen Scheiss, ich habe die Tasche selber gepackt!“
Mindestens ein Dutzend Leute amuesiert sich ueber meinen liebevollen Spruch und die Schweissperlen auf seiner Stirn.
Endlich ein Grund zur Panik?
Nee, heute nicht, es war doch nur ein alter Walkman mit reichlich Kabelsalat.
Koetter Security? Die sind buchbar. Helau!

Wartezone.
Ich fluechte, bevor mir der Reisetaschenmann an den Ohren zieht und lande eine Viertelstunde spaeter in der emotionalen Steinzeit.
Es wird ploetzlich stockfinster und mir erscheint in einem hellen Licht: ein blonder Engel.
In 1.900 Millimeter Gesamtlaenge. Netto. Ohne Schuhe. Der Ring des Halters fehlt. Sabber. Sie saeuselt ihr Handy mit english voll, ist anscheindend ihr Chef dran, faehrt dabei ihr perfekt gepflegtes Fahrgestell in XXXL aus und wirft mir einen Blick zu.
Das Geschoss trifft mich zwischen den Augen, mein Kopf explodiert und der Restverstand verteilt sich in Form von Hirnmasse an der Decke.
Tropf. Sie kuckt nochma. Jetzt zerfetzt es mein Herz, alle ankonditionierten Werte und der letzte Funken Anstand gehen zu Boden.
Das wars. Was fuer eine Sauerei.
Innerhalb von Sekunden hat mich dieses Wesen ein paar Evolutionsstufen runter geschubst. Ich kann nicht mehr reden, will zurueck auf meinen Baum und habe ein unwiderstehliches Verlangen nach Bananen.
Geh‘ mir aus den Augen. Du Sau.
Oder setze Dich auf mein Gesicht. Sofort.
Die Monitore blinken mich an und ich kann nicht reagieren. Mit allerletzter Willenskraft torkel ich wie ein betrunkener Zombie in Zeitlupe auf den Schalter zu. Gefuehlte zwoelf Stunden spaeter habe ich mich an Bord gerettet.
SIE bleibt draussen. Glueck gehabt, doch keine Titelstory in der BILD.
Goettliches Federviech hat doch Fluegel, ich vergas‘, die lachen ueber Flieger.

An Bord.
Recht annehmbarer Sitzplatz. Drei Fenster. Vor mir fehlt der Sessel. Air Berlin, so gehoert sich das. Ich habe richtig viel Platz. Kniet‘ gleich ’ne Stewardess vor mir oder wie geht das weiter?
Hilfe, dieser emotionale Priapismus hoert einfach nicht auf.
„Wissen Sie, wo Sie da sitzen?“ meint der Flugbegleiter, der aussieht, wie ein junger George Foreman auf Ecstasy.
„Nö.“
„Sie machen den Notausgang neben sich auf, wenn es notwendig wird.“
Achso. Doch nicht mein Privatklo. Drei Meter neben der Turbine und mit ein paar Tonnen Kerosin in Armreichweite koennte das recht unentspannt werden, falls Chef heute ein paar von uns sehen will. Wird es aber nicht. Der hat vorhin mit seinem Lieblingsengel telefoniert und heute Abend was besseres vor.
Alle Air Berlin Maschinen in Duesseldorf stehen mit Toleranzen im Zentimeterbereich auf denselben Parkpositionen – ohne dass die Jungs an den Joysticks die Zielkreuze sehen oder einen Rueckwaertsgang einlegen koennen. RESPEKT. Sowas kriegen viele homo sapiens nicht mal mit einem Smart hin, die blonden Biester mit oder ohne Fluegel sowieso nicht.
Da hilft auch kein RedBull. Wer so beeindruckend parken kann, der macht mich auch im Simulator-Dogfight platt und ich muss heute ausnahmsweise nicht nach vorne, aushelfen.
Das Monster draussen jault los und der Vogel erhebt sich im 45 Grad Winkel Richtung Sonne.
Es geht ins Herz des schwarzen Reiches.
Vor mir die schoensten Farben blau und weiss, die dieser Sonnentrabant zu bieten hat, unter mir ein dreidimensionales Goggle Earth in der Liveversion. Meine Fresse, was ist das schoen!
Ich suche den Himmel nach dem dem gnadenlosen Engel von vorhin ab und druecke mir die Nase platt.
George kommt vorbei, will mir was zu trinken geben und wedelt mit Zeitungen. Geh‘ weg Suesser, ich bin beschaeftigt. Mein Sitznachbar im feinsten Businesszwirn schielt ueber seine Financial Times und guckt mich an, als wuerde mir ein Chromoson fehlen.
Mister Moellemann, Du hast Dir damals den coolsten Abgang ausgesucht, den jemals ein Politiker auf diesem Planeten fertig gebracht hat.
Hier versteht gerade einer, warum Du es genau _SO_ getan hast.

Willkommen in der schwarzen Zone.
Eine Tuer gleitet auf und entlaesst mich ins Reich der Bajuwaren.
Die vorab bestellten achtundzwanzig Grad Celsius wehen mir sanft entgegen, ein blau-weisser Himmel strahlt mich an.
Das ist Muenchen. Wie im Werbefernsehen.
Niemand wollte meinen Pass sehen und ein Visum brauchte ich auch nicht, die kennen hier sogar den Euro. Ein Prosit auf die EG!
Im Flughafen stehe ich auf horizontalen Laufbaendern, kilometerlang. Was fuer ein fussfaules Volk. Die importieren doch auch satt Gastarbeiter, weilse einem Ball selber nicht hinterher laufen koennen. Mein innerer Schweinehund singt: „Duuhdei! Duuhdeeeei! Bayern im UHHH-EVA-KAPP! Duuhdei! Duuhdeeeei!“ Komme heute bloss nicht raus, sonst regnet die GSG9 vom Himmel und sperrt uns in den Kaefig von Oliver Kahn.
Stachus? Was ist das? Keine Zeit, es herauszufinden. Einige huebsche Altbauten springen ins Auge. Edel. Edel.
Liebe Alliierten, da habt ihr wohl ein paar Meinungsverschiedenheiten mit der Flak mehr und reichlich Blindgaenger an Bord gehabt.
Ganz schoen gross hier.
Und nicht nur sauber, sondern rein, in dieser Stadt regieren Meister Proper und Miss AtaFee.
Ich brauche eine halbe Stunde Fussmarsch, bevor ich den ersten Muell auf dem Boden liegen sehe. Der entspricht natuerlich der weltweiten Norm, denn er stammt von dem amerikanischem Konzern mit dem grenzdebilen Clown und den verarmten Angestellten, die Hartz 4 kriegen, obwohlse malochen.
Perfekte Werbeeinlage, da gehe ich jetzt hin.

Essen mit Spass.
Ich bestelle Big Mac mit PommesMayo und ColaFlatrate.
Die Blagen sehen hier aus, als waeren sie dem Modekatalog vom H&M entsprungen und ihre Verhaltenskreativitaet erscheint mir nicht ganz so hoch, wie zuhause im Pott.
Am Tisch neben mir liest ein Berufsschueler den KICKER und schwaermt lautstark einer knackigen Eingeborenen von dem Zehn-Millionen-Neu-Einkauf des oertlichen Balltretvereines vor.
Duuhdei! Duuhdeeeei! DER schon wieder.
Sie kontert staendig, dass dieser neue Typ NUR GEIL aussieht und haelt ihm dabei zwei praechtige, fast komplett ausgepackte Quarktaschen unter die Nase. Die hatse aber nicht beim Clown gekauft. NUR GEIL. Sie sagt es ihm fuenf Mal in drei Minuten. Erdbeben im Quark. Ich bin gleich blind und beisse vor Vergnuegen ganze Stuecke aus meinen Pappbecher, nachdem ich mir schon den halben Burger durchs Gesicht geschmiert habe.
Sie gibt alles. Der Juengling rafft es nicht. UNFASSBAR! Es gibt doch schwule Fussballfans, vor mir steht der lebende Beweis. Das glauben meine homophilen Freunde im Pott sicher nicht.
Miss Muellermilch 2007 und ihr Begleiter verschwinden. Das war schoen.
Mein Zwerchfell tut weh. Gleich springt mir sicher irgendein C-Klasse-Prominenter ins Blickfeld und faselt was von versteckter Kamera.
Ich sehe aus, wie ein Vierjaehriger nach der ersten Juniortuete seines Lebens und begebe mich zum nachsten Waschbecken. Das Weiss blendet mich, so sauber ist das hier, ohne Sonnenbrille kann maNN nicht gepflegt seine Anaconda auswringen. Die permanent taetige Raumpflegerin kriegt ein fettes Trinkgeld, so viel Respekt muss einfach sein.

Fremdsprachen.
Einen Liter Zuckerbrause spaeter geht das Abenteuer weiter. Ruelps.
In der zweiten Tiefebene einer Unterfuehrung habe ich die Orientierung verloren. Ruelps. Ich frage einen Nahverkehrsangestellten hinter einer Glasscheibe nach dem Weg und verstehe nicht mal Bahnhof. Mit meinen Englishkenntnissen aergere ich Franz-Josef jetzt nicht, dazu ist der Mann viel zu nett. Ich finde das schon. Treppe rauf. Es geht weiter durch die belebte Stadt, strahlender Sonnenschein im Nacken, Richtung NordNordWest.
Beim Metzger sind „frische Fleischpflanzerl“ im Angebot, mangels Woerterbuch wage ich nicht zu fragen, was das sein koennte.
Ich sehe riesige Braukessel hinter Glasscheiben, that’s Loewenbraeu himself, und stehe kurz danach vor einem Biergarten. Hier mag ich mich hinsetzen und folgenden Spruch auf ein massverteilendes Dirndl los lassen: „ich moechte diesen Teppich nicht kaufen.“ Mal gucken, wie die dann guckt und was sie mir bringt.
Achja. N‘ Bierchen in der prallen Mittagssonne waere jetzt recht unschlau und ich gehe stiften, bevor das naechste Alpenpanorama am Horizont auftaucht.

Der Weltmeister.
Noch vierzig Minuten. Ich pflanze mich beim pizzabackenden Weltmeister an einen Tisch auf dem Buergersteig und bestelle einen doppelten Espresso. Kurz danach riecht nicht nur sein WC nach meinem Deo und ich sehe wieder halbwegs frisch aus.
Beim Bezahlen lasse ich der huebschen Dame am Nachbartisch den Vortritt, denn sie guckte nicht nur rueber, sie STARRTE mich minutenlang an. Ahnt sie etwa, was ich vorhabe? Als ich aufstehe, draengt mich der Weltmeister in ihre Richtung. Nanana, ist das seine Schwester oder laueft das hier immer so?
Sie wuenscht mir laechelnd einen schoenen Tag und ich sehe zu, dass ich ganz schnell Land gewinne.

Vor einer Polizeiwache.
Noch hundert Meter. Obwohl ich den ganzen Tach rumlaufe, wie ein verschwitzter Bankerschlumpf nach drei Achterbahnfahrten zuviel ist das Volk hier auffallend nett zu mir. Sehr sehr beeindruckend. Ich stecke mir erstmals im Juni das Hemd in die Hose und knoepfe es zu.
Die Reihe geparkter Pampersbomber glaenzt dermassen in der Sonne, dass ich nicht mal einen Spiegel brauche, um die Krawatte zu binden. Der polierte Lack reicht aus. Hier ist jeden Tag AutoWaschSamstag.

Ziel.
Der Kohlenhydratschub vom Burgerbrater zeigt seine Wirkung, die weltmeisterliche Coffeinbombe tobt durch meinen Kreislauf.
Eine Empfangsdame begruesst mich und verraet mir den Weg zum Spielfeld.

Anpfiff.
Guten Tag. Guten Tag. Ich will mein Leben zurueck.

* C U T *

ICE 522 19:51 MESZ Muenchen
Drei Stunden spaeter bietet das Grossraumabteil ein entspanntes Bild.
Hier laufen mehr Notebooks auf den Tischen als Frauen ueber die Gaenge. Schicke Herren in feinen Businessklamotten holen Pilsflaeschchen aus den Aktenkoefferchen und leiten das Wochenende ein. Alle hier saufen, lesen, ziehen sich einen mitgebrachten Film rein oder knacken. Ein normaler Freitagabend halt – im Wohnzimmer der Bahn.

ICE 522 01:07 MESZ Duesseldorf
Der Bankerschlumpf ist mit einer schlafenden Hausfrau alleine im Wagon. Leere Bierflaschen auf den Tischen klirren vor sich hin. Der Konstrukteur dieses Zuges kommt sicher nicht aus Muenchen, denn er hat die Muelleimer vergessen und die Konsequenzen liegen uberall herum.

Gleis 11 01:32 MESZ Hauptbahnhof Essen
Ich muss fuer die letzten Meter in die S-Bahn umsteigen, laufe ueber den Essener Bahnsteig und mich trifft ein Kulturschock. Was fuer ein geschichtstraechtiger Bahnhof. Hier gibt es den ersten VW Kaefer zu sehen. Besser gesagt, der Wagen ist nicht mehr da, dafuer sind seine Abgase an den Waenden und Decken heute noch zu bestaunen.
Der Boden bietet saemtliche Schattierungen der Farben grau und ist auffallend rutschfest, dank der Pflasterung mit durchschnittlich 499 Kaugummis pro Quadratmeter.
Im Essener Banhnhof ist die gesamte U-Bahn Ebene in Schwarzlicht getaucht, die Junkies sollen hier unten ihre Venen nicht finden und gefaelligst woanders verrecken. Und das da vorne sind keine Schulkinder, sondern der Babystri… Schluss jetzt. Essen ist nicht in meinen Top 10.

S1 01:47 MESZ Dixieland
Die S-Bahn ist gut voll. Mir stroemt der Duft von frischem Bier und altem Schweiss entgegen. Ich erwische einen der letzten Sitzplaetze, schlauerweise neben dem Durchgang zum naechsten Wagon. Der Weg zum einzigen Abort des Zuges ist sehr ueberschaubar. Ein zarter Hauch von gaerenden Faekalien streichelt meine Nase, fast so erfrischend, wie auf einem vollem Dixiklo im Hochsommer.
Der Durchgang neben mir geht auf, aus dem Hauch wird ein Orkan oder nasal formuliert: das volle Dixie kippt auf die Tuer und ich sitze drin. Traumhaft.
Ein Securitygorilla will meine Fahrkarte sehen. Sein maechtig wichtiges Gehabe erinnert mich an alte SchwarzWeissFilme mit einen schlecht gelaunten Joseph Goebbels in der Hauptrolle. Dieser Verhaltensprimat wird nie fuer Koetter Security arbeiten. Ich muss mich zusammen reissen, um ein Haar verziere seine Springerstiefel mit einem Muenchener BigMac.

02:03 MESZ Die Perle
Eine laue Juninacht. Ich spaziere durchs Bermudadreieck und lausche dem schoensten Geraeusch dieser Stadt. Es ist das Gebrabbel der vielen Leute, die hier draussen sitzen. Das rauscht so schoen, es moduliert fast wie eine Brandung.
Das war der schoenste Tag des Jahres. Muenchen hat mich maechtig beeindruckt, jahrzehntealte Vorurteile eines Inselkindes haben sich innerhalb von Stunden in Respekt und pure Neugier aufgeloest. Steht da wirklich Respekt im letzten Satz? Das muss ich einschraenken, denn eine gewisse Gruenflaeche und seine temporaeren Bewohner bleiben in diesem Leben und in allen anderen danach selbstverstaendlich davon ausgenommen…….Duuhdei! Duuhdeeeei!

Nun hat mich die Perle vom Revier wieder.

Hat sie das?
Nicht wirklich.

Montag 18.06.2007 14:58 MESZ

Das Handy meldet den TOUCHDOWN.

Ich habe in Kuerze einen feinen IT-Job.
Mit Zweitwohnung in Muenchen. Die Basis in Bochum bleibt.
Mein Serotininpegel erreicht langsam kriminelle Werte, denn ich bin

BACK. IN BLACK.

Danke fuers Lesen, ich wuensche Euch einen

GUTEN TAG.
ICH HABE MEIN LEBEN ZURUECK!

me.