Jun 182007
 

15.06.2007
Flughafen Düsseldorf. Air Berlin Kundenschalter.
Bei Fluggesellschaften lohnt es sich, nicht nur zu huebschen Stewardessen nett zu sein. Es folgen die erten Worte des Kundenberaters im O-Ton:
„Sie sind freundlich. Wollnse n Fensterplatz?“
„Sehr sehr gerne, ich stehe voll aufs fliegen.“
„Dann kriegense jetzt einen.“
Auf der boardingcard steht, man soll doch bitte seinen Sprengstoff und sein radioactives Material nicht mit an Bord nehmen. Ein prima Verbot. Ausschliesslich in english und nicht auf deutsch. Ich bin beruhigt.

Check-In.
Vor mir die Sicherheitsschleuse mit den Roentgenautomaten und ein Rudel Koetter Security. Die Bande benimmt sich, als haette sie den Karneval vorverlegt. Oder heimlich in der Aservatenkammer genascht.
Ein Maedel in Uniform meint, ich soll mein Sakko ausziehen.
„Noch was?“
„Ja, den Guertel bitte!“
„Guertel auf und Hose runter“ meint der Kleiderschrank daneben.
„Suesser, Du zuerst!“
Isch habe ga kein Guertel und zauber‘ dem Maedel ein Laecheln ins Gesicht, indem ich kurz mein Sixpaeck praesentiere.
Beim Reisenden vor mir gibt es ein Problem. Zwei Mehlmuetzen kommen naeher. Hand an der Neunmillimeter. Ein Teststreifen wird ueber die Reisetasche gezogen. Es liegt Spannung in der Luft. Die steigern wir jetzt mal. Ich schiele auf den Bildschirm und beruhige ihn: „Ach komm, rege Dich nicht auf, so’n Kilo Koks kriegen die hier auch nicht jeden Tag zu sehen.“ – „Mach‘ keinen Scheiss, ich habe die Tasche selber gepackt!“
Mindestens ein Dutzend Leute amuesiert sich ueber meinen liebevollen Spruch und die Schweissperlen auf seiner Stirn.
Endlich ein Grund zur Panik?
Nee, heute nicht, es war doch nur ein alter Walkman mit reichlich Kabelsalat.
Koetter Security? Die sind buchbar. Helau!

Wartezone.
Ich fluechte, bevor mir der Reisetaschenmann an den Ohren zieht und lande eine Viertelstunde spaeter in der emotionalen Steinzeit.
Es wird ploetzlich stockfinster und mir erscheint in einem hellen Licht: ein blonder Engel.
In 1.900 Millimeter Gesamtlaenge. Netto. Ohne Schuhe. Der Ring des Halters fehlt. Sabber. Sie saeuselt ihr Handy mit english voll, ist anscheindend ihr Chef dran, faehrt dabei ihr perfekt gepflegtes Fahrgestell in XXXL aus und wirft mir einen Blick zu.
Das Geschoss trifft mich zwischen den Augen, mein Kopf explodiert und der Restverstand verteilt sich in Form von Hirnmasse an der Decke.
Tropf. Sie kuckt nochma. Jetzt zerfetzt es mein Herz, alle ankonditionierten Werte und der letzte Funken Anstand gehen zu Boden.
Das wars. Was fuer eine Sauerei.
Innerhalb von Sekunden hat mich dieses Wesen ein paar Evolutionsstufen runter geschubst. Ich kann nicht mehr reden, will zurueck auf meinen Baum und habe ein unwiderstehliches Verlangen nach Bananen.
Geh‘ mir aus den Augen. Du Sau.
Oder setze Dich auf mein Gesicht. Sofort.
Die Monitore blinken mich an und ich kann nicht reagieren. Mit allerletzter Willenskraft torkel ich wie ein betrunkener Zombie in Zeitlupe auf den Schalter zu. Gefuehlte zwoelf Stunden spaeter habe ich mich an Bord gerettet.
SIE bleibt draussen. Glueck gehabt, doch keine Titelstory in der BILD.
Goettliches Federviech hat doch Fluegel, ich vergas‘, die lachen ueber Flieger.

An Bord.
Recht annehmbarer Sitzplatz. Drei Fenster. Vor mir fehlt der Sessel. Air Berlin, so gehoert sich das. Ich habe richtig viel Platz. Kniet‘ gleich ’ne Stewardess vor mir oder wie geht das weiter?
Hilfe, dieser emotionale Priapismus hoert einfach nicht auf.
„Wissen Sie, wo Sie da sitzen?“ meint der Flugbegleiter, der aussieht, wie ein junger George Foreman auf Ecstasy.
„Nö.“
„Sie machen den Notausgang neben sich auf, wenn es notwendig wird.“
Achso. Doch nicht mein Privatklo. Drei Meter neben der Turbine und mit ein paar Tonnen Kerosin in Armreichweite koennte das recht unentspannt werden, falls Chef heute ein paar von uns sehen will. Wird es aber nicht. Der hat vorhin mit seinem Lieblingsengel telefoniert und heute Abend was besseres vor.
Alle Air Berlin Maschinen in Duesseldorf stehen mit Toleranzen im Zentimeterbereich auf denselben Parkpositionen – ohne dass die Jungs an den Joysticks die Zielkreuze sehen oder einen Rueckwaertsgang einlegen koennen. RESPEKT. Sowas kriegen viele homo sapiens nicht mal mit einem Smart hin, die blonden Biester mit oder ohne Fluegel sowieso nicht.
Da hilft auch kein RedBull. Wer so beeindruckend parken kann, der macht mich auch im Simulator-Dogfight platt und ich muss heute ausnahmsweise nicht nach vorne, aushelfen.
Das Monster draussen jault los und der Vogel erhebt sich im 45 Grad Winkel Richtung Sonne.
Es geht ins Herz des schwarzen Reiches.
Vor mir die schoensten Farben blau und weiss, die dieser Sonnentrabant zu bieten hat, unter mir ein dreidimensionales Goggle Earth in der Liveversion. Meine Fresse, was ist das schoen!
Ich suche den Himmel nach dem dem gnadenlosen Engel von vorhin ab und druecke mir die Nase platt.
George kommt vorbei, will mir was zu trinken geben und wedelt mit Zeitungen. Geh‘ weg Suesser, ich bin beschaeftigt. Mein Sitznachbar im feinsten Businesszwirn schielt ueber seine Financial Times und guckt mich an, als wuerde mir ein Chromoson fehlen.
Mister Moellemann, Du hast Dir damals den coolsten Abgang ausgesucht, den jemals ein Politiker auf diesem Planeten fertig gebracht hat.
Hier versteht gerade einer, warum Du es genau _SO_ getan hast.

Willkommen in der schwarzen Zone.
Eine Tuer gleitet auf und entlaesst mich ins Reich der Bajuwaren.
Die vorab bestellten achtundzwanzig Grad Celsius wehen mir sanft entgegen, ein blau-weisser Himmel strahlt mich an.
Das ist Muenchen. Wie im Werbefernsehen.
Niemand wollte meinen Pass sehen und ein Visum brauchte ich auch nicht, die kennen hier sogar den Euro. Ein Prosit auf die EG!
Im Flughafen stehe ich auf horizontalen Laufbaendern, kilometerlang. Was fuer ein fussfaules Volk. Die importieren doch auch satt Gastarbeiter, weilse einem Ball selber nicht hinterher laufen koennen. Mein innerer Schweinehund singt: „Duuhdei! Duuhdeeeei! Bayern im UHHH-EVA-KAPP! Duuhdei! Duuhdeeeei!“ Komme heute bloss nicht raus, sonst regnet die GSG9 vom Himmel und sperrt uns in den Kaefig von Oliver Kahn.
Stachus? Was ist das? Keine Zeit, es herauszufinden. Einige huebsche Altbauten springen ins Auge. Edel. Edel.
Liebe Alliierten, da habt ihr wohl ein paar Meinungsverschiedenheiten mit der Flak mehr und reichlich Blindgaenger an Bord gehabt.
Ganz schoen gross hier.
Und nicht nur sauber, sondern rein, in dieser Stadt regieren Meister Proper und Miss AtaFee.
Ich brauche eine halbe Stunde Fussmarsch, bevor ich den ersten Muell auf dem Boden liegen sehe. Der entspricht natuerlich der weltweiten Norm, denn er stammt von dem amerikanischem Konzern mit dem grenzdebilen Clown und den verarmten Angestellten, die Hartz 4 kriegen, obwohlse malochen.
Perfekte Werbeeinlage, da gehe ich jetzt hin.

Essen mit Spass.
Ich bestelle Big Mac mit PommesMayo und ColaFlatrate.
Die Blagen sehen hier aus, als waeren sie dem Modekatalog vom H&M entsprungen und ihre Verhaltenskreativitaet erscheint mir nicht ganz so hoch, wie zuhause im Pott.
Am Tisch neben mir liest ein Berufsschueler den KICKER und schwaermt lautstark einer knackigen Eingeborenen von dem Zehn-Millionen-Neu-Einkauf des oertlichen Balltretvereines vor.
Duuhdei! Duuhdeeeei! DER schon wieder.
Sie kontert staendig, dass dieser neue Typ NUR GEIL aussieht und haelt ihm dabei zwei praechtige, fast komplett ausgepackte Quarktaschen unter die Nase. Die hatse aber nicht beim Clown gekauft. NUR GEIL. Sie sagt es ihm fuenf Mal in drei Minuten. Erdbeben im Quark. Ich bin gleich blind und beisse vor Vergnuegen ganze Stuecke aus meinen Pappbecher, nachdem ich mir schon den halben Burger durchs Gesicht geschmiert habe.
Sie gibt alles. Der Juengling rafft es nicht. UNFASSBAR! Es gibt doch schwule Fussballfans, vor mir steht der lebende Beweis. Das glauben meine homophilen Freunde im Pott sicher nicht.
Miss Muellermilch 2007 und ihr Begleiter verschwinden. Das war schoen.
Mein Zwerchfell tut weh. Gleich springt mir sicher irgendein C-Klasse-Prominenter ins Blickfeld und faselt was von versteckter Kamera.
Ich sehe aus, wie ein Vierjaehriger nach der ersten Juniortuete seines Lebens und begebe mich zum nachsten Waschbecken. Das Weiss blendet mich, so sauber ist das hier, ohne Sonnenbrille kann maNN nicht gepflegt seine Anaconda auswringen. Die permanent taetige Raumpflegerin kriegt ein fettes Trinkgeld, so viel Respekt muss einfach sein.

Fremdsprachen.
Einen Liter Zuckerbrause spaeter geht das Abenteuer weiter. Ruelps.
In der zweiten Tiefebene einer Unterfuehrung habe ich die Orientierung verloren. Ruelps. Ich frage einen Nahverkehrsangestellten hinter einer Glasscheibe nach dem Weg und verstehe nicht mal Bahnhof. Mit meinen Englishkenntnissen aergere ich Franz-Josef jetzt nicht, dazu ist der Mann viel zu nett. Ich finde das schon. Treppe rauf. Es geht weiter durch die belebte Stadt, strahlender Sonnenschein im Nacken, Richtung NordNordWest.
Beim Metzger sind „frische Fleischpflanzerl“ im Angebot, mangels Woerterbuch wage ich nicht zu fragen, was das sein koennte.
Ich sehe riesige Braukessel hinter Glasscheiben, that’s Loewenbraeu himself, und stehe kurz danach vor einem Biergarten. Hier mag ich mich hinsetzen und folgenden Spruch auf ein massverteilendes Dirndl los lassen: „ich moechte diesen Teppich nicht kaufen.“ Mal gucken, wie die dann guckt und was sie mir bringt.
Achja. N‘ Bierchen in der prallen Mittagssonne waere jetzt recht unschlau und ich gehe stiften, bevor das naechste Alpenpanorama am Horizont auftaucht.

Der Weltmeister.
Noch vierzig Minuten. Ich pflanze mich beim pizzabackenden Weltmeister an einen Tisch auf dem Buergersteig und bestelle einen doppelten Espresso. Kurz danach riecht nicht nur sein WC nach meinem Deo und ich sehe wieder halbwegs frisch aus.
Beim Bezahlen lasse ich der huebschen Dame am Nachbartisch den Vortritt, denn sie guckte nicht nur rueber, sie STARRTE mich minutenlang an. Ahnt sie etwa, was ich vorhabe? Als ich aufstehe, draengt mich der Weltmeister in ihre Richtung. Nanana, ist das seine Schwester oder laueft das hier immer so?
Sie wuenscht mir laechelnd einen schoenen Tag und ich sehe zu, dass ich ganz schnell Land gewinne.

Vor einer Polizeiwache.
Noch hundert Meter. Obwohl ich den ganzen Tach rumlaufe, wie ein verschwitzter Bankerschlumpf nach drei Achterbahnfahrten zuviel ist das Volk hier auffallend nett zu mir. Sehr sehr beeindruckend. Ich stecke mir erstmals im Juni das Hemd in die Hose und knoepfe es zu.
Die Reihe geparkter Pampersbomber glaenzt dermassen in der Sonne, dass ich nicht mal einen Spiegel brauche, um die Krawatte zu binden. Der polierte Lack reicht aus. Hier ist jeden Tag AutoWaschSamstag.

Ziel.
Der Kohlenhydratschub vom Burgerbrater zeigt seine Wirkung, die weltmeisterliche Coffeinbombe tobt durch meinen Kreislauf.
Eine Empfangsdame begruesst mich und verraet mir den Weg zum Spielfeld.

Anpfiff.
Guten Tag. Guten Tag. Ich will mein Leben zurueck.

* C U T *

ICE 522 19:51 MESZ Muenchen
Drei Stunden spaeter bietet das Grossraumabteil ein entspanntes Bild.
Hier laufen mehr Notebooks auf den Tischen als Frauen ueber die Gaenge. Schicke Herren in feinen Businessklamotten holen Pilsflaeschchen aus den Aktenkoefferchen und leiten das Wochenende ein. Alle hier saufen, lesen, ziehen sich einen mitgebrachten Film rein oder knacken. Ein normaler Freitagabend halt – im Wohnzimmer der Bahn.

ICE 522 01:07 MESZ Duesseldorf
Der Bankerschlumpf ist mit einer schlafenden Hausfrau alleine im Wagon. Leere Bierflaschen auf den Tischen klirren vor sich hin. Der Konstrukteur dieses Zuges kommt sicher nicht aus Muenchen, denn er hat die Muelleimer vergessen und die Konsequenzen liegen uberall herum.

Gleis 11 01:32 MESZ Hauptbahnhof Essen
Ich muss fuer die letzten Meter in die S-Bahn umsteigen, laufe ueber den Essener Bahnsteig und mich trifft ein Kulturschock. Was fuer ein geschichtstraechtiger Bahnhof. Hier gibt es den ersten VW Kaefer zu sehen. Besser gesagt, der Wagen ist nicht mehr da, dafuer sind seine Abgase an den Waenden und Decken heute noch zu bestaunen.
Der Boden bietet saemtliche Schattierungen der Farben grau und ist auffallend rutschfest, dank der Pflasterung mit durchschnittlich 499 Kaugummis pro Quadratmeter.
Im Essener Banhnhof ist die gesamte U-Bahn Ebene in Schwarzlicht getaucht, die Junkies sollen hier unten ihre Venen nicht finden und gefaelligst woanders verrecken. Und das da vorne sind keine Schulkinder, sondern der Babystri… Schluss jetzt. Essen ist nicht in meinen Top 10.

S1 01:47 MESZ Dixieland
Die S-Bahn ist gut voll. Mir stroemt der Duft von frischem Bier und altem Schweiss entgegen. Ich erwische einen der letzten Sitzplaetze, schlauerweise neben dem Durchgang zum naechsten Wagon. Der Weg zum einzigen Abort des Zuges ist sehr ueberschaubar. Ein zarter Hauch von gaerenden Faekalien streichelt meine Nase, fast so erfrischend, wie auf einem vollem Dixiklo im Hochsommer.
Der Durchgang neben mir geht auf, aus dem Hauch wird ein Orkan oder nasal formuliert: das volle Dixie kippt auf die Tuer und ich sitze drin. Traumhaft.
Ein Securitygorilla will meine Fahrkarte sehen. Sein maechtig wichtiges Gehabe erinnert mich an alte SchwarzWeissFilme mit einen schlecht gelaunten Joseph Goebbels in der Hauptrolle. Dieser Verhaltensprimat wird nie fuer Koetter Security arbeiten. Ich muss mich zusammen reissen, um ein Haar verziere seine Springerstiefel mit einem Muenchener BigMac.

02:03 MESZ Die Perle
Eine laue Juninacht. Ich spaziere durchs Bermudadreieck und lausche dem schoensten Geraeusch dieser Stadt. Es ist das Gebrabbel der vielen Leute, die hier draussen sitzen. Das rauscht so schoen, es moduliert fast wie eine Brandung.
Das war der schoenste Tag des Jahres. Muenchen hat mich maechtig beeindruckt, jahrzehntealte Vorurteile eines Inselkindes haben sich innerhalb von Stunden in Respekt und pure Neugier aufgeloest. Steht da wirklich Respekt im letzten Satz? Das muss ich einschraenken, denn eine gewisse Gruenflaeche und seine temporaeren Bewohner bleiben in diesem Leben und in allen anderen danach selbstverstaendlich davon ausgenommen…….Duuhdei! Duuhdeeeei!

Nun hat mich die Perle vom Revier wieder.

Hat sie das?
Nicht wirklich.

Montag 18.06.2007 14:58 MESZ

Das Handy meldet den TOUCHDOWN.

Ich habe in Kuerze einen feinen IT-Job.
Mit Zweitwohnung in Muenchen. Die Basis in Bochum bleibt.
Mein Serotininpegel erreicht langsam kriminelle Werte, denn ich bin

BACK. IN BLACK.

Danke fuers Lesen, ich wuensche Euch einen

GUTEN TAG.
ICH HABE MEIN LEBEN ZURUECK!

me.

Okt 012002
 

Nazis on Speed - Band 1
Nazis on Speed
Drogen im 3.Reich
Herausgeber Werner Pieper
www.gruenekraft.com
Band 1 ISBN 3-930442-53-1
Band 2 ISBN 3-930442-54-X (Materialband)

Werner Pieper & The Grüne Kraft
Alte Schmiede
D-69488 Löhrbach
Fax 06201-22585

BUCHREZENSION
MUSHROOM MAGAZINE No.89 – Oktober 2002

Der Führer Adolf Hitler war ein Speed-Junkie mit persönlichem Leibarzt. Reichsmarschall Hermann Göring ein Kokainfreund, der sich seine Morphinsucht erst nach Kriegsende in den Nürnberger Prozessen abgewöhnte. Die Wehrmacht marschierte mit chemischer Unterstützung im Gepäck in den Krieg und kämpfte gegen die ebenfalls gedopten Alliierten.

Herausgeber Werner Pieper beschreibt in seinem zweibändigem Werk „Nazis on Speed“ die Geschichte der „Genussmittel“ von Anfang des 19.Jahrhundertes bis zum Ende des II. Weltkrieges in diesem unserem Lande. Es beinhaltet interessante Tatsachen, die nicht auf dem Lehrplan des Schulfaches Geschichte stehen. Anhand von Texten verschiedenster Autoren sowie zahlreichen Quellenangaben kann sich der Leser ein eigenes Bild von der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der „Genussmittel“ hin zum „Rauschgift“ machen.
Insbesondere bei der Lektüre der menschenverachtenden Beiträge nationalsozialistischer Schreiberlinge wird deutlich, wie in dieser Zeit gedacht und infolge dessen Politik gemacht wurde. Die daraus entstandenen Gesetze haben weitgehend heute noch Gültigkeit, Wortschöpfungen der Nazis wie „Rauschgift“ oder die Polizei als „Freund und Helfer“ (Himmler) sind ebenfalls im alltäglichen Sprachgebrauch.

Werner Pieper legt mit diesem zweibändigen Werk eine mutige Dokumentation vor, zu der es im Buchhandel keine Alternative gibt. Er zeigt Aspekte der deutschen Geschichte aus einem Blickwinkel, der über Jahrzehnte nur in der Gerüchteküche oder den verdrängten Erinnerungen unserer Großelterngeneration existierte. Selbst die schier unglaublich perversen Menschenversuche mit unzähligen Substanzen in den deutschen Konzentrationslagern, die nach Kriegsende unter erzwungener Mithilfe deutscher Wissenschaftler von der CIA in den Vereinigten Staaten weiter geführt wurden, werden nicht ausgespart.

Das Buch ist keine leicht verdauliche Lektüre, denn es fordert den Leser zur Auseinandersetzung mit der Drogenthematik im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte heraus.
Werner Pieper hat lange und intensiv recherchiert, um dieses Werk veröffentlichen zu können. Teilweise waren die betroffenen Unternehmen unserer Chemieindustrie von der eigenen Firmengeschichte selber überrascht.
Das Ergebnis liegt nun vor und hat das Potential, das Verständnis unserer eigenen Vergangenheit in ein anderes Licht zu rücken. Eine sehr beeindruckende Leistung.
Was machen eigentlich die Geschichtsprofessoren an unseren Universitäten den ganzen Tag?

me.

(wordcount: 321)

Mirrors:
mushroom-online.com
chaishop.com

Sep 191998
 

Interview
Grassberg Connection Bremen
für den Chaishop.com
published in mushroom magazine #48 / october 1998

me: Wer ist die Grassberg-Connection?

Jenny: Die real Grassbergs, das sind drei: Nina, Friedemann und Jenny – eine Bastelschratfamily. Unsere Wohnung in Grassberg ist inzwischen zur Werkstatt und zum Dekolager mutiert, denn in jeder Ecke liegen Werkzeug, Farbtöpfe und Pinsel rum, alle Tische haben Farbkleckser, 90% der Daten auf unseren PC’s sind TIF’s oder GIF’s und unsere Bücher sind in Kartons gelandet, um Platz für Projektoren etc. zu machen. Schon im Treppenhaus hängen große Lotusblüten und Flügel, das geht durch die ganze Hütte weiter und auf dem Dachboden wachsen UV-Lianen. Wir arbeiten mit einigen Bremer Leuten zusammen, dem Birdbox, Ulli und Big Brother. Jeder macht zwar sein Ding, aber vorher anrufen und den anderen fragen, ob man etwas so bringen kann, tut man doch öfters, dabei entstehen dann immer wieder neue Sachen.
Friedemann: Unseren Namen haben wir von DJ alpha (André), der uns mit dem Psy Trance Virus infizierte – wir sind sein „Kontakt nach Grassberg“.

me: Welche Rolle spielt jeder von Euch in der connection?

Jenny: Ich bin vielleicht eine Art Triebfeder. Geniale Ideen und Träume gibt es bei uns viele – dank meines kleinen Arbeitswahnsinns wird dann auch was anfaßbares daraus.
Friedemann: Ich bin der Haustechniker und PC-Schrat. Gegenseitig sind wir uns die unerbittlichsten Kritiker und süßesten Lobhudeler.

me: Welche Art Deko macht ihr eigentlich?

Jenny: Das ist ziemlich unterschiedlich. Zu Anfang hing ich ständig mit den Flossen im Pappmaché, denn damit hatte ich auch vor meiner Goa-Deko-Zeit schon viel gearbeitet. Es entstanden Blüten, Fische, Masken, die Lianen, Aliens, Kugeln, Spiralen und der Phönix, ein Vogel mit sechs Metern Spannweite. Ich ging dann mehr zur Stoffmalerei über. Es entstanden große Banner, und „Techno-Brezeln“, so nennt man in Bremen die UV-Bilder mit einem runden Motiv in Flurofarben drauf, um die Kabel unterm DJ-Pult zu verdecken. Mit Projektionen habe ich lange auf Landfreakpartys gearbeitet und das für die Goapartys weiter ausgebaut. Ich mag es am liebsten, wenn die ganze Deko einer Party einem Thema gewidmet ist, und sie speziell für diesen event gebaut wird – ein Gesamtwerk. Ich finde es wichtig, daß eine Party eben auch optisch und atmosphärisch hält, was der Flyer verspricht.

me: Warum macht ihr Deko für Trance Partys?

Jenny: Wie gesagt, einen Deko-Fimmel hatte ich schon immer, aber eher so wohnungstechnisch und für „normale“ Partys. Da fehlte mir aber immer etwas, das ich auf den Psy-Trance Partys gefunden habe. Mir gefiel die Musik, die Deko und besonders die Menschen. Die ganze Lebensart war eine, wo ich mich, so wie ich war, nicht mehr verstecken oder verstellen mußte. Das war’s einfach. Das Gefühl ist bis heute so geblieben. Als mich Anfang 1997 DJ alpha in der Milchbar ansprach, ob ich nicht jemanden wüßte, der Deko für seine nächste Party machen könnte, ließ ich mich nicht zweimal fragen.
Friedemann: Was wir auf den Partys suchen, ist doch so eine Art Sinnestaumel. Das was wir sehen, muß genauso berauschend sein, wie das was wir hören, riechen usw. Oft gerät Deko in den Bereich von Kitsch, aber was soll’s – schließlich kommt es nicht auf das Bild dort auf dem Stoff, sondern auf die daraus entstehenden Phantasien in den Köpfen der Leute an.

me: Was fasziniert Euch so an der Goa-Lebensart?

Friedemann: Es ist die Ursprünglichkeit. Für mich sind die Partys Rituale, geschützte Räume in dem jeder erst einmal ganz stark zu sich selbst kommen kann. Es sind in Wirklichkeit ganz schöne Ego-Trips, die jedoch, bewußt als solche ausgelebt, gut und wichtig sein können.
Jenny: Mich fasziniert diese Atmosphäre des gemeinsamen Erschaffens und Feierns eines Rituals. Ich brauche das einfach in regelmäßigen Abständen. Ich glaube, sonst würde ich verkrampft und krank werden. Die meisten Leute in dem Bereich kommen früher oder später auf einen Kreativtätsflash und machen Deko, Musik oder legen auf oder machen alles zusammen und veranstalten dann noch die Party dazu.

me: Was macht Ihr beruflich?

Jenny: Ich unterrichte in einer Berufsschule das Fach Alten- und Krankenpflege, aber nur auf Honorarbasis. Ohne meine Dekoarbeit würde ich in dem Beruf abdrehen. Es ist ein hartes Kontrastprogramm.
Friedemann: Ich arbeite in einer Holzwerkstatt und baue Orgonakkus, aber das ist ein Thema für sich.

me: Die Deko ist also ein Zubrot?

Friedemann: Na ja, eher ein gesponsortes Hobby. Ich denke die Ausgaben an Material und Sprit überwiegen doch das, was man dafür reinbekommt. Wenn man die Arbeitsstunden mit einrechnet, wird einem schlecht.
Jenny: Deko ist im Grunde unbezahlbar. Wenn ich Deko schaffe, ist das die wertvollste Zeit meines Lebens, dafür kann man mich doch nicht bezahlen.

me: Woran arbeiten die Grassbergs gerade?

Friedemann: Wir arbeiten an neuen Projektionsgeschichten. Jenny hat gerade eine etwas aufwendigere Serie Bilder am Wickel, die sich jeweils auf eine Grundfarbe konzentrieren.
Jenny: Ja, für den Farbflash ohne Hoffmannstropfen. Probier es aus: blicke eine Minute lang auf eine grüne Fläche und drehe Dich dann um – alles erscheint total pink ! Seit Januar arbeiten wir an einer, für unsere Verhältnisse, richtig fetten Party im Oktober. Die Party wird „Digital Ritual“ heißen und seit Jahresbeginn basteln wir an der Deko…und der Organisation. Dafür entstehen u.a. einfache Bilder mit einem bestimmten Symbol und ein 3.000 Teile Projekt. Es wird sozusagen eine Deko-Release Party. Ach, und dann betreibe ich schon lange mein Unwesen auf Partys mit purem Aktionismus. Ich nehme Stoffe Farben und Pinsel mit und male (wenn erlaubt) Leute, Fahnen usw. an. Machen dann spontan irgendwelche Leute mit und legt gerade ein netter DJ auf, dann bin ich richtig happy :-)))

Photos von der Digital Ritual in Bremen
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me: Ist Euer Terminkalender für diese Saison schon voll?

Jenny: Was den Terminkalender angeht, sind wir ganz froh, zur Zeit nicht ständig dekomäßig rumfahren zu müssen. Wir wollen auch mal einfach nur feiern gehen können, ohne schon vor der Party vom Aufbau völlig fertig zu sein.
Friedmann: Man wird Jenny jedoch trotzdem nie ruhig herumsitzen sehen können. Irgendwas bastelt sie immer.

me: Jenny, woran denkst Du, wenn Du malst?

Jenny: Währenddessen ist es wie beim meditieren, erst mal blubbert das Hirn weiter und ich denke an so Blödsinn wie den Einkauf, den vollen Komposteimer oder die Begegnung der dritten Art auf der letzten Party, bis dann irgendwann Ruhe im Karton einkehrt und ich reagiere, zum Ärger meiner Mitmenschen kaum noch auf Reize aus der Aussenwelt. Um mir das zu erlauben, muß eine Menge an Überlegungen und Vorarbeit geleistet werden. Erstmal steht eine Party zu einem Thema an, in einer Location, mit einem Line-up, einer Performance usw. Das ergibt ein Gesamtbild und ich überlege, womit man dies optisch unterstreichen könnte, was paßt ? Es dauert nicht lange und schon geht es sozusagen mit mir durch. Und ich mache so lange wilde Vorzeichnungen, bis die anderen nix mehr zu lästern finden. Der nächste Farbladen und Landhandel kann sich auf ein gutes Geschäft freuen. Eventuell finde ich noch etwas nettes auf dem Sperrmüll oder im Garten und ich kontrolliere meine Altpapier- und Stoffbestände.

me: Glaubst Du an Bewußtseinserweiterung durch Deine Kunst?

Jenny: Nein, das mußt Du schon selber machen. Die Bewußtseinserweiterung muß in Deinem Kopf oder Herzen geschehen. Bewußtseinserweiterung, heißt doch, daß Du eine Wahrnehmung außerhalb der gewöhnlichen Alltagswahrnehmung hast – Du bemerkst, daß so wie Du normalerweise aus der Wäsche kuckst, nur eine von vielen Sichtweisen einer „Realität“ ist. Nach meiner Meinung ist Dein Bewußtsein über die Maße der normalen Betriebswahrnehmung schon erweitert, wenn Du z. B draußen mitbkommst, wie schön das Moos zu Deinen Füßen wächst, die Farbe, wie weich es ist, wie es riecht ! Mit dem Wort Bewußtseinserweiterung hab ich so eine Assoziation: eine Zeichnung aus sehr alten U-Comics wo jemand dargestellt wird, dessen Bewußtsein sich gerade zu Brei erweitert.

me: Woran glaubst Du?

Jenny: Ich bin sehr dankbar, daß ich schon früh in meinem Leben auf eine spirituelle Sicht der Dinge gestoßen bin. Das ist ein gutes Handgepäck und eine Hilfe, um mit dem Ego einigermaßen klarzukommen. Zur Zeit habe ich jedoch große Bedenken, was die Glaubensgemeinschaften, die Religionen und ihre jeweiligen Realitätstunnel und Machtstrukturen betrifft. Ich glaube daran, daß wir mehr als Wesen dieser Welt sind, aber jetzt bin ich hier und das sehr gerne. Hier und Jetzt mit dem Ghettoblaster auf dem Geröllhügel, das ist Erleuchtung ! Ich glaube an die Liebe, Liebe muß man machen, Deko ist eine Form von Liebe.

me: Habt ihr noch eine letzte Message?

Jenny: Ich möchte den Partyleuten danken, daß sie so respektvoll mit der Deko umgehen. Zu Anfang sagte man mir, daß die Deko auf den Partys oft kaputt gemacht würde und ich sollte alles ganz hoch aufhängen. Inzwischen hänge ich z.B. meinen Phoenix ohne ein schlechtes Gefühl in greifbare Höhen. Die Leute gehen hin und streichen mal ganz sanft durch die Flügel, da freue ich mich drüber!

me.

Mirror:
chaishop.com

Aug 121998
 

Review: BOOM! – Festival 7.-9.8.1998
me & Generyx

Donnerstag. Tag 1.
Schalke, 4 Uhr morgens. Frau Stroht holte uns aus den Träumen und zwei Stunden später freuten sich Harrison Stroht und Indiana lauscher über den Anblick einer Ladung Pauschaltouris und zollfreie Zigaretten, die man nur ansehen durfte. Rauchmelder auf´m Bordklo, wie inner Schule…
Lissabon. Die Sonne brennt. Die Frisur sitzt. Das 3-Wetter Taf….neee falscher Film. Nach dem Gepäckband standen wir vor dem Flughafen und wir wunderten uns, ob es in Lissabon Passkontrollen gibt. Jetzt ging der Spaß los. Wir können beide kein anständiges Wort portugiesisch und die meisten Portugiesen noch mehr english. Also mischten wir uns unter die Neckermann-Sturmtruppen und fanden einen Bus zur Innenstadt. Dort erklärte uns jemand mit Hand und Fuß, daß der Bus Richtung Setubal am anderen Ende der Stadt hält. Also, rein ins nächste Taxi. Diesen Benz mit seinen 621.382 km auf der Uhr fanden wir so beeindruckend…der Boom!-Anfahrtsplan fuhr gleich weiter dort mit. Das Chaos war perfekt. Ich habe Durst. Ich muss mal. Nach längerer Fahndung stiegen wir in den Bus nach Setubal. Dort trafen wir auf die ersten Goa-Fraggels und langsam wir waren wir sicher: die Route stimmt. Aguas de Moura. In dem Dorf erfuhren wir, das der shuttle zum Festivalgelände erst am Freitag startet. Es wurde ein Eingeborener gefunden, der seinen Transporter mit den wartenden Fraggels belud und zum Gelände karrte. Die netten Mädels an der Tür freuten sich über unsere Anwesenheit und wir machten uns auf den finalen Marsch, denn der Platz war noch gut einen Kilometer entfernt. Kurz vor dem Hitzschlag, kamen wir über die letzte Lichtung und vor uns lag das gelobte Land.
Die Location war wunderschön gelegen, zwischen vereinzelten Bäumen, sanften Kuppeln und Hügeln. Es standen überall Duschen und Wasserkräne, wir suchten für unser Zelt einen Platz im Schatten. Die Deko war schon fast fertig, die Anlage wurde aufgebaut, circa 500 Fraggels aus aller Frauen Ländern waren schon in freudiger Erwartung vor Ort. Sam & seine Bande kamen an und wir bauten unser Chaizelt auf, welches für die nächsten Tage unser Schlafzimmer, Partylocation, Meeting-Point und Chillout werden sollte.

Freitag. Tag 2.
Nach etwas Schlaf und einer Dusche erkundeten wir das Gelände. In einer Art Hauptstraße, wo alle Stände mit viel Liebe zum Detail aufgebaut wurden, gab es Crepe, Vegetarische Gerichte, Sandwiches, Schmuck, Tücher und Klamotten, zu Preisen, die in Deutschland anscheinend unmöglich sind. Das Gelände bietete vier Floors zum abfeiern. Der Mainfloor, der Expansion-Floor, auf dem sich Nachwuchs-DJ’s und andere Musikarten ein Stelldichein gaben, der wunderschöne Chill-Out, welcher mit blauem Teppich ausgelegt war und dem Baby-Boom, wo der Nachwuchs mit Hüpfburg und 1210ern ihren Spaß hatte. Jeder Floor befand sich in einer Art Senke, somit vermischten sich die verschiedenen Musikstile nicht. Schlau gemacht.
Ab in den Wagen. Es ist nichts wie bisher, es macht uns zu Brüdern, mit dem…Tag am Meer. Sandstrand, keine Neckermannfanclubs und wunderhübsche Ausblicke.
Inzwischen irrten circa 4.000 Freaks aus der ganzen Welt über das Gelände. Als die Dunkelheit hereinbrach, konnten wir zum ersten mal die Deko begutachten.
Umpf. Umpf. Zwitscher. Umpf. Es ging los. In den nächsten drei Tagen gab es 21 DJ’s und Live-Acts zu bestaunen und auf jeden einzugehen wäre müßig, also erwähnen wir nur die Winner und Loser. Der Freitag war so lala. Antaro konnte nicht (Gute Besserung !). Als Ersatz kam ein 14-Jähriger Bengel, dessen Namen wir leider nicht in Erfahrung bringen konnten. Er vertrat den Hamburger hervorragend, eine sehr beeindruckende Vorstellung ! Monbaza aus Taiwan hatte anscheinend seinen Jetlag nicht ausgeschlafen, schade drum. Quirk waren erwartungsgemäß okay.
Ansonsten haben wir die Zeit dazu benutzt, neue Leute zu treffen und uns durch die Fresstände zu arbeiten. Die ersten Leute fingen an, am Chaistand E-Mails zu verschicken…..schon mal einer Japanerin mit einer deutschen Tastatur beim mailen geholfen ?

Samstag. Tag 3.
Lange Schlafen war bei der Hitze unmöglich. Man vertrieb sich den Tag mit Chaistand aufräumen, Essen, Trinken und Wasser über die Birne schütten. Später bemerkten wir, daß der Mann, der bei uns im chai-zelt zwischen den Blondinnen lag, verblüffende Ähnlichkeit mit Onkel Klaus hat. Als er zu uns kam und fragte, ob wir ihm nicht seine Plattenkiste organisieren könnten, wußten wir: der allgemeine Hitzekoller nahm zu. Die Versorgung mit diversen vergessenen Sachen lief reibungslos und somit konnten wir uns auf einen schönen Abend mit Domino, Chika, David, Frank E, Migas, Kox Box und Pleiadians freuen. Mittlerweile war die Boom! mit ca. 5.000 Leuten zur vollen Größe angewachsen.
Die Party ging in die zweite Runde. Chika aus Japan machte seinem Namen alle Ehre: er schickte uns mit einem absolut genialen Mix auf die Reise. Wo man hinsah, nur lachende Menschen, bunte Farben, intensive Emotionen. Als ob das noch nicht genug gewesen wäre, fingen dann die Pleiadians an, ihr Live-Set war die Krönung des gesamten Festivals. Was die beiden Lümmel da ablieferten, war Psychedelic Trance in seiner Urform. Gerade als man dachte: „Es kann nicht mehr besser werden“, setzten sie noch einen drauf…. Domino und Kox Box wußten auch zu überzeugen. Wunderschön. Die DJ’s legten wie jeden Tag/Nacht bis High Noon auf, für die benötigte Abkühlung sorgten Sprinkleranlagen auf der Tanzfläche. Perfekt.

Sonntag. Tag 4.
Am Sonntag konnten bei einigen Fraggles erste Ermüdungserscheinungen beobachtet werden, was jedoch mit ununterbrochener Chaizufuhr gelöst werden konnte. Wir lernten Leute kennen, die aus Deutschland getrampt (!) sind. Anyway, der Chaishop bedurfte einer Renovierung.
„Hoffentlich machen die heute mal schlechte Musik, der vierstündige Tanzflash gestern war ja widerlich !“ Von wegen, pünktlich um 20.00 Uhr ging das Spektakel wieder los. Gunther aus Östereich, hatte wohl nur fünf Platten bei, denn er spielte fast komplett die neue Man With No Name, was nicht unbedingt schlecht war, aber gleich drei Tracks in Folge….? Matt (Nein, nicht Mister Mushroom) war eher lau, dafür ging es bei Psychopod gut zur Sache und später kam der Mann, bei dem sich die Geister schieden: Olli Wisdom (Australien). Der Mann hat sein Handwerk gelernt, aber für viele war er zu hart. Egal.
Nun bricht der Bericht ab, der zuständige GoA-Reporter fand den Ausgang seines Zeltes nicht mehr.

Montag. Tag 5.
Nach dem Frühstück war die Musik bis nachmittags am Ballern. Dann war Feierabend. Eigentlich. Die ersten Stände wurden abgebaut, aber keiner wollte weg. Autoanlagen gaben ihr bestes, die Traumtänzer feierten weiter. Wir schliefen aus.

Dienstag. Tag 6.
Oh, mann. Diese Party nimmt kein Ende. Morgens gab es immer noch Musik. Wir packten unseren Kram zusammen und verschwanden vom Gelände…..
Fazit: Der Weg lohnt sich. Es waren so viele unterschiedliche Menschen und Kulturen zu bestaunen, beeindruckend, wie harmonisch eine so große Anzahl von Fraggles zusammen leben kann.
An diesem event sollten sich viele Veranstalter in diesem unserem Lande ein Beispiel nehmen.
SO muss ´ne Party aussehen, dann klappts auch mit der guten Laune.
Nach einer Schnitzeljagd durch Setubal fanden wir ein gutes Hotel. Unglaublich, welche Freude ein Hotelbett und eine saubere Dusche bei einem Menschen auslösen kann. Auf zum besten Restaurant am Platz. In der Speisekarte standen Kilopreise bei den feinen toten Fischen. Nach dem tagelangen Shantifutter wirkt ein Pfund Monsterkrabben in Knoblauch & Öl Wunder. Dann noch ein Warsteiner zwischen den Dorfkids und ab inne Heia.

Mittwoch. Tag 7.
Jetzt kam das Touriprogramm: Lissabon. Wir versuchten, unser Gebäck an mehreren Bahnhöfen abzugeben, aber alle Schließfächer waren voll und so machten wir eine Odyssee (Taxi, U-Bahn, Bus, Hubschrauber, U-Boot etc.) zum Flughafen mit.
Was für eine chaotische Stadt. Auf der einen Seite, der totale Verfall, man hatte Angst, daß einem so ein Balkon gleich auf den Kopf fällt. Auf der anderen Seite prunkvolle Bauten, extrem tiefe U-Bahnschächte, die nicht darauf schließen lassen, das vor ein paar hundert Jahren ein Erdbeben die Stadt komplett dem Erdboden gleich gemacht hatte. Auf der teuersten Konsumrennstrecke wurden wir innerhalb von einer Stunde 14 mal (!) gefragt, ob wir nicht was illegales kaufen wollten. Nicht mal die übelsten englishen Schimpfwörter vertrieben dieses aufdringlichen Leute. EKELHAFT ! Mitten in der Stadt eine Stimme von hinten: „Du bist doch auch öfters im Cult, oder?“. Die Welt ist klein.
Wir fuhren also zur Expo und wurden mit den wahnsinnigen Eintrittspreisen konfrontiert: DM 50,- für eine Tageskarte und 20 Mark für eine Nachtkarte. Letztere galt von 20 Uhr bis 3 Uhr, allerdings waren abends alle Pavillons geschlossen und man durfte sowieso für sämtliche Attraktionen extra bezahlen. Abzock pur. Viel Spaß mit dieser Zonenrandgebietsförderung in Hannover ! Es gab schöne alte Segelschiffe und schöne junge Brasilianerinnen mit heftigsten Caipirinas zu bestaunen. Portugisische Localmatadoren wurden bei Gran Turismo ordnungsgemäß zu Beifahrern degradiert und die neusten Spielautomaten frassen uns das letzte Kleingeld weg.

Donnerstag. Tag 8.
Müde machten wir uns auf den Weg zum Flughafen und mußten aus Ermangelung eines Hotelzimmers in der Abflughalle schlafen. Dumme Idee, hier war kaum noch Platz. Pünktlich zum Abflug weckte uns ein Herr mit Uniform und 9mm im Halfter. Unglaublich, wie nett Leute sein können, die den Flughafen ihrer Hauptstadt bewachen.

me & Generyx

credits:
Monika K. (Globus Reisecenter Oberhausen/D), Karo S. & Monika D. (D), Rachel & Dan (GB), Domino´s Mom (GB), Shiri (Israel), the portuguese couple with the funny peacemaker & to Sony for the psx!

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